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 Der Gesang der Meise

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Dosashi
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BeitragThema: Der Gesang der Meise   Mo 27 Feb 2017, 20:42

Der Gesang der Meise

Einst hörte ich, dass der Vogel Rokh von Süden nach Norden aufbrach. Die Schwingen des Vogels Rokh müsst ihr wissen, reichen von Lhasa bis nach Beijing und wenn er sich in die Lüfte erhebt verdeckt sein Körper die Sonne, sodass sich die Menschen unter ihm fürchten und verschreckt in die weite Höhe schauen. Zum Glück für jene Menschen flog der Vogel Rokh nicht oft, denn er war eigentlich immer schon da, wo er hin musste und schien nie fehl am Platze zu sein. Diese Eigenschaft ließ die Menschen über ihn wundern und nachdenken und es gab nicht wenige, die ihn als Gott deswegen verehren wollten, worüber der Vogel Rokh auch stolz war. So dachte er sich nämlich eines Tages: „Sehet doch, ich bin so groß, dass niemand etwas Größeres als mich kennt, wenn ich nicht sie führen und schützen kann, wer dann?“ Als er so aber dachte, wurde er von Unruhe ergriffen nach seinen Gläubigen zu schauen. Er konnte nicht mehr auf einer Stelle bleiben und einfach Sosein, so erhob er sich in den Himmel, um nach den Menschen zu schauen.

Als er nun so weit oben über die Menschen schwebte, flog eine kleine Meise zu ihm herauf und setzte sich auf seinen massigen Kopf hernieder und sang ihr Lied. „Was willst du kleine Meise? Ich muss hier nach den Menschen schauen, störe mich nicht dabei!“ Die Meise sang weiter unberührt ihr Lied, da wurde der Vogel Rokh ungehalten und schrie: „Was erlaubst du dir, du kleine Meise! Ich bin ein Gott und muss nach den Menschen schauen, was nimmst du dir heraus, mich dabei zu stören?“ Derart rüde unterbrochen, hüpfte die Meise neben das Auge des Vogels Rokh, welches um Längen größer als sie war und pfiff leise: „Fürwahr ein fabelhafter Gott bist du. Es gibt nichts auf der Welt, was größer ist als du, dazu hast du noch einen guten Charakter, so bemerkten dich die Menschen. Und als sie dich bemerkten, kamen sie zu dir und sprachen mit dir. Sie umschmeichelten dein Ohr und priesen deine Pracht. So formten sie dich, zu dem fabelhaften Gott, der du heute geworden bist. Aber nun schau, ich bin so klein und es gibt so viele meiner Art, dass mich die Leute nicht bemerken und ich hier einfach mein Lied singen kann, auf dem Kopf ihres Gottes. Und bist du auch groß, so ist es gerade diese Kleinheit, die mich davor schützt, dass mir dein Zorn etwas anhaben kann oder ich gar dein Schicksal erleide.“ Empört über diese Gotteslästerei, schrie Rokh auf: „Was leistest du aber für diese Wesen Meislein? Ich kann die Welt verändern, mit einem Worte und du bist zur Bedeutungslosigkeit verdammt! So habe Ehrfurcht vor mir!“ Langsam schüttelte die Meise den Kopf: „Das Große versperrt dir den Blick für das, was alle anderen klar sehen können, lieber Rokh. Die Menschen erhoben dich zu ihrem Gott, aber so haben sie nur etwas, dem sie ihre Schuld aufladen und sich rechtfertigen können. Du magst die besten Absichten haben, aber weiter als bis zu den Köpfen dringst du mit deiner Herrschaft nicht vor. Aber sieh, ich kann kein Wesen dazu zwingen mein Lied zu hören und die meisten wollen es vielleicht auch gar nicht hören, aber jene die es hören, werden durch es berührt. Sie beginnen mit Kopf und Herz zu verstehen, was ich ihnen sagte. Und so nehmen sie es zwar mit sich, ohne etwas im Austausch zu geben, aber ich habe sie trotzdem so berührt, wie du es nicht vermagst.“ Betrübt ließ der Vogel Rokh derart gescholten seine Flügel hängen und zog diesmal weiter nach Norden, als er je geflogen war. Doch die Meise blieb zurück und dachte nur bei sich: „Wahrlich der Vogel Rokh ist groß, er war fähig zu verstehen, was ich meinte, obwohl ich nur Worte nutzte.“

Ich weiß nicht, was danach mit dem Vogel Rokh geschah, aber auf jeden Fall vollzog er seinen Aufstieg zum Gott nicht weiter. Wer weiß, vielleicht ist er sogar heute unter uns, während ich so erzähle?
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